Seid willkommen auf Burg Rötteln!

Geh hinauf Anna und bereite mir ein Bad! Ich bin staubig
von der Reise und erwarte, dass du dich meiner Bedürfnisse
annimmst! Ritter Nüwenburg wird dich begleiten und vor der Badestube Wache halten.”
Anna schluckte. Mühsam suchte sie, den Schein völliger Gleichgültigkeit zu
wahren. Doch das erregte Zucken der Lider verriet ihre innere Pein. Vor dem versammelten Hofstaat hatte Rudolf sie gerade zu seiner Magd degradiert mit den Aufgaben einer gemeinen Frau, wusste doch jeder, dass diese Art Genuss zumeist das Vorspiel für weitere Körpergelüste bot. Oh wie peinlich! Und damit nicht genug hatte er sie auch noch unter Aufsicht stellen lassen. Alles in ihre rebellierte. Sie wollte mit den Fäusten auf ihn los, ihm ihre Wut in die Haut kratzen.
Ita grinste schadenfroh. Ja, sie so gedemütigt zu sehen, das traf sicher den Geschmack ihrer Schwägerin. Fort, sie wollte nur noch fort, in aller Ruhe ihre Wunden lecken, dieser unwürdigen Erniedrigung durch Rudolf entfliehen. Aber wie? Es wäre ein gefundenes Fressen für ihren neu erkorenen Aufseher, sie handgreiflich vor versammelter Mannschaft ihrem schlüpfrigen Dienst zuzuführen. Nein, kein weiteres Schauspiel für diese Intriganten, kein weiteres Amüsement auf ihre Kosten! Ein Ruck durchlief ihren Körper. Ita hielt die Luft an. Wenn jetzt die Freiburgerin eine  weitere delikate Kostprobe ihres widerspenstigen Naturells präsentierte, wäre
 der Bruch zwischen den beiden nicht mehr zu kitten. Selbst das Winseln der
  bettelnden Jagdhunde erstarb und die beängstigende Ruhe vor einem alles
  vernichtenden Sturm senkte sich bedeutungsschwer über den Prunksaal des
   Herrn zu Rötteln.
    Unendlich langsam drehte sich Anna zur Tür und schritt in vollendeter
     Grazie in Richtung des Treppenhausportals. Sie wartete erst gar nicht
     darauf, dass Nüwenburg ihr die Tür öffnete. Rudolf wollte sie als Magd.
      Er sollte sie bekommen. Krachend schmetterte das schmiedeeiserne Scharnier
      ins Schloss und mit zuckendem Aufbäumen loderten die Kerzenflammen
            der Kronleuchter ein letztes Mal hoch hinauf, bevor sic reich
                      an Zahl mit anklagendem Zischen erstarben. So
                          manch einem bemächtigten sich bald
                              schmerzhafte bald kitzelnde Pusteln
                                  des Erschreckens. ... .     

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